Vortrag von Herrn Prof. Dr. Hiram Kümper am 21.5.26.
Die Hansegesellschaft Lippstadt e.V. lädt in Kooperation mit der Stadt Lippstadt und der Wirtschaftsförderung Lippstadt zu einem hochaktuellen und zugleich historisch fundierten Vortrag ein. Am Donnerstag, den 21. Mai 2026, um 19:00 Uhr wird der Historiker und Autor Prof. Dr. Hiram Kümper im Rathaussaal der Stadt Lippstadt (Lange Straße 14, 59555 Lippstadt) sein Buch „Der Traum vom ehrbaren Kaufmann“ vorstellen, dessen zentrale Thesen erläutern und historische Leitbilder und ihre Bedeutung auf die moderne Wirtschaft transferieren.
Prof. Dr. Hiram Kümper, Professor für Geschichte des Spätmittelalters und der Frühen Neuzeit, beschäftigt sich in seinem Werk mit einem zentralen Leitbild der europäischen Wirtschaftsgeschichte: dem „ehrbaren Kaufmann“. Darunter versteht er einen Kaufmann, der wirtschaftlichen Erfolg mit Verlässlichkeit, Verantwortungsbewusstsein und Orientierung am Gemeinwohl verbindet. Das Buch zeigt, wie dieses Ideal im mittelalterlichen Städtewesen entstand und das wirtschaftliche Handeln über Vertrauen und Reputation prägte.
Zugleich schlägt Kümper den Bogen in die Gegenwart. Angesichts globaler Märkte und wachsender Anforderungen an unternehmerische Verantwortung gewinnen diese historischen Werte neue Aktualität. Prinzipien wie Transparenz, Fairness und langfristiges Denken sind auch heute zentrale Faktoren für nachhaltigen wirtschaftlichen Erfolg.
Ein besonderer Bezug ergibt sich zur Hanse: Als historisches Netzwerk von Handelsstädten beruhte sie wesentlich auf gemeinsamen Normen und Vertrauen – Grundlagen, die eng mit dem Leitbild des ehrbaren Kaufmanns verknüpft sind. Auch Lippstadt war Teil dieses Netzwerks und knüpft mit der Veranstaltung an diese Tradition an.
Der Eintritt ist frei. Vertreterinnen und Vertreter aus Wirtschaft, Politik und Gesellschaft sowie Bürgerinnen und Bürger sind herzlich eingeladen. Bürgermeister Alexander Tschense wird den Vortragenden und die Gäste begrüßen.
Weiterführende Informationen:
Prof. Dr. Hiram Kümper
Prof. Dr. Hiram Kümper studierte Geschichte, Philosophie und Germanistik an der Ruhr-Universität Bochum und wurde 2007 an der Universität Mannheim mit einer Arbeit zur Geschichte des sächsischen Landrechts im Mittelalter und in der Frühen Neuzeit promoviert. Nach Stationen als Assistent an der Hochschule Vechta sowie als Akademischer Rat an der Universität Bielefeld folgte ihm ein Ruf an die Universität Mannheim. Dort hat er den Lehrstuhl (W3) für Geschichte des Spätmittelalters und der Frühen Neuzeit inne, der inzwischen als Carl-Theodor-Stiftungsprofessur etabliert ist.
Seine Forschungsschwerpunkte lagen zunächst auf den Normensystemen des vormodernen Europas, insbesondere Recht, Religion und gesellschaftlichen Diskursen. Heute konzentriert er sich verstärkt auf Wirtschafts- und Sozialgeschichte, wobei ihn insbesondere die Verbindung qualitativer und quantitativer Ansätze interessiert.
Ein besonderes Merkmal seiner Arbeit ist der Fokus auf regionale Studien in vergleichender europäischer Perspektive. Kümper ist Mitglied mehrerer wissenschaftlicher Kommissionen, darunter der Kommission für geschichtliche Landeskunde in Baden-Württemberg, der Pfälzischen Gesellschaft zur Förderung der Wissenschaften sowie der Historischen Kommission für Westfalen.
Darüber hinaus engagiert er sich intensiv in der Vermittlung von Geschichte in Wissenschaft und Öffentlichkeit sowie in interdisziplinären und europäischen Forschungsprojekten, unter anderem im Rahmen der Hochschulallianz ENGAGE.EU.
Mit seinem Buch „Der Traum vom ehrbaren Kaufmann: Die Deutschen und die Hanse“ (2020) hat Kümper auch über die Fachwelt hinaus Aufmerksamkeit erlangt. Das Werk wurde breit rezipiert, erreichte die SPIEGEL-Bestsellerliste im Bereich Wirtschaftsbücher und wurde für seine Verbindung von historischer Analyse und aktueller wirtschaftsethischer Fragestellung gewürdigt.
Inhalt und zentrale Thesen
In seinem Werk „Der Traum vom ehrbaren Kaufmann“ untersucht Kümper die Entstehung und Entwicklung eines zentralen Leitbildes der europäischen Wirtschaftsgeschichte: den „ehrbaren Kaufmann“. Dieses Ideal beschreibt einen Kaufmann, der wirtschaftlichen Erfolg mit moralischer Integrität, Verlässlichkeit und Gemeinwohlorientierung verbindet.
Das Buch zeichnet nach, wie dieses Leitbild im Mittelalter entstand, insbesondere im Kontext aufstrebender Städte und Handelsnetzwerke. Es zeigt, dass wirtschaftliches Handeln bereits damals nicht ausschließlich durch Gewinnstreben bestimmt war, sondern durch soziale Normen, Vertrauen und Reputation reguliert wurde. Der „ehrbare Kaufmann“ fungierte dabei als normativer Bezugspunkt für verantwortliches Handeln im Handel.
Wirkung und Rezeption
Seit seinem Erscheinen hat das Buch breite Aufmerksamkeit sowohl in der Fachwelt als auch in wirtschaftsethischen Debatten gefunden. Es wird vielfach als Impulsgeber für die Diskussion über unternehmerische Verantwortung, nachhaltiges Wirtschaften und die Rolle von Vertrauen in globalisierten Märkten rezipiert. Insbesondere in Zeiten wirtschaftlicher Unsicherheiten und gesellschaftlicher Transformationsprozesse gewinnt das historische Leitbild neue Aktualität.
Übertragung auf die Gegenwart
Ein zentraler Aspekt des Vortrags wird die Frage sein, inwiefern das mittelalterliche Ideal des „ehrbaren Kaufmanns“ auf heutige wirtschaftliche Kontexte übertragbar ist. Kümper argumentiert, dass grundlegende Prinzipien wie Transparenz, Verlässlichkeit, Fairness und langfristige Orientierung zeitlos sind und auch im modernen Wirtschaftsleben eine entscheidende Rolle spielen.
Gerade vor dem Hintergrund globaler Lieferketten, digitaler Märkte und wachsender Anforderungen an Corporate Governance wird deutlich, dass wirtschaftlicher Erfolg zunehmend an ethischen Standards geknüpft ist. Der „ehrbare Kaufmann“ kann hier als historisches Modell dienen, das Orientierung bietet, ohne einfache Lösungen vorzugeben.
Bezug zur Hanse und zur Stadt Lippstadt
Die Veranstaltung stellt bewusst einen Bezug zum historischen Städtebund der Hanse her. Die Hanse war nicht nur ein wirtschaftliches Netzwerk, sondern auch ein Raum gemeinsamer Werte und Handelspraktiken, die auf Vertrauen, Verlässlichkeit und gegenseitigem Nutzen basierten. Kaufleute der Hanse agierten über große Distanzen hinweg und waren dabei auf ihren Ruf und die Einhaltung informeller Regeln angewiesen – zentrale Elemente des Leitbildes des „ehrbaren Kaufmanns“.
Lippstadt selbst war Teil dieses hanseatischen Netzwerks und blickt auf eine lange Tradition als Handels- und Wirtschaftsstandort zurück. Die Auseinandersetzung mit den historischen Grundlagen wirtschaftlichen Handelns ist daher nicht nur von akademischem Interesse, sondern besitzt auch eine lokale Identitätsdimension.
Hiram Kümper



